Leseprobe, zum Beispiel...

 

G wie Ganoven

Ganoven, Diebe und andere Betrüger

Als ich 1997 an einem Sonntag bei Bekannten im Jura zu Besuch war, erhielt ich einen Telefonanruf. Ich wurde informiert, dass es bei mir zu Hause einen Einbruch gegeben hatte. Die Täter hatten in meinem Haus ein Fenster aufgebrochen und die Zimmer durchsucht. Sie stammten alle aus Rumänien und wurden später im Kanton Aargau festgenommen. Doch von der Diebesbeute (alte Münzen, der Trachtenschmuck meiner Frau und Geld in Fremdwährungen) habe ich leider nie mehr etwas gesehen.

Eines Tages arbeitete ich im Garten an der Strasse. Da hielt ein Auto an und ein Unbekannter stieg aus. Er kam auf mich zu und sagte freundlich: «Herr Meier, ich habe Ihnen schöne Grüsse von der Schulabwartin Frau Masarati zu überbringen. Ich habe hier etwas bei mir, das ich Ihnen dringend im Haus zeigen muss.» Ich kannte keine Schulabwartin solchen Namens. Doch der Fremde bestand hartnäckig auf seiner Forderung. Da wurde ich misstrauisch, brach das Gespräch abrupt ab und liess den Mann auf der Strasse stehen. «Das ist doch ein Gauner», sagte ich zu mir und sah noch, wie er sich mit seinem Auto, einem Chevrolet mit einer Waadtländer Nummer, rasch aus dem Staub machte. Ich hatte mit meiner Einschätzung zweifellos richtig gelegen.

Jemandem auf den Leim ging ich hingegen ein anderes Mal. Im Winter 2009 wurde ich im Bahnhof Spiez von einem dunkelhäutigen Mann um Wechselgeld für einen Fünfliber gefragt. Ich helfe gerne nach meinen Möglichkeiten und kenne keine Vorurteile gegenüber Ausländern. Deshalb nahm ich auch damals mein Portemonnaie hervor und suchte nach dem Gewünschten. Auf einmal stand da noch eine Frau zu meiner Rechten, welche offenbar zum fremden Mann gehörte. Sie beobachtete, wie ich nach dem Münz kramte. Ich dachte mir nichts dabei und gab dem Mann das Bargeld. Er und die Frau bedankten sich ausgesucht höflich.

Der Schrecken liess nicht lange auf sich warten. Eine halbe Stunde später musste ich feststellen, dass mir 600 Franken fehlten, die ich für einen grösseren Kauf benötigt hätte. Meine Gutmütigkeit war aufs Schändlichste ausgenutzt und missbraucht worden. Die Polizei in Spiez war sehr interessiert an meiner Anzeige. Der Beamte meinte, mein Fall passe in das Muster der täglichen Anzeigen. Zwei Monate später legte er mir zwei Bogen mit etwa 40 Porträts vor. Doch «meine» Ganoven waren leider nicht darunter.

Vier Jahre später traf ich erneut auf den Mann von damals; dieses Mal am Bahnhof Lyss. Er erkannte mich offenbar nicht, denn er fragte mich wieder um Kleingeld für einen Fünfliber. «Munz, Munz», das war alles, was er sagte. Und das verriet ihn. Meine Beobachtung meldete ich umgehend auf dem örtlichen Polizeiposten. Die kleine, rundliche Beamtin war freundlich, aber mehr nicht. Ihre Antwort auf meine Anzeige war lapidar: «Gut, Herr Meier, wir nehmen das alles in das Tagesprotokoll auf.» Ich streckte mich und drückte die Schulter etwas über die Theke. Aber diese Geste machte keinen Eindruck auf die Beamtin. Sie sagte nur höflich «Adieu» und setzte sich wieder an ihren PC. Damit war die Angelegenheit für sie erledigt. Draussen überlegte ich mir: Anstatt eine Treibjagd auf Kriminaltouristen zu organisieren, wird meine Anzeige als Aktennotiz fein säuberlich im Tagesprotokoll notiert. Einige Zeit später landet diese Notiz dann im Ordner mit der Aufschrift «erledigte Fälle» und damit basta! Jedenfalls bin ich an diesem Tag um eine wertvolle Erkenntnis reicher geworden. In der Psychologie spricht man in diesem Fall von einem «Aha-Erlebnis». Also kein Grund zur Panik. Es bleibt dabei: Die Polizei – dein Freund und Helfer! Aha.